Frauen in Führung -
Erfahrung ist wichtiger als Ambition 03.26
Warum viele weibliche Führungskräfte beim nächsten Karriereschritt zögern
Viele Frauen in Führung oder auf dem Weg dorthin kennen diesen Moment - auch in meiner Arbeit mit weiblichen Führungskräften begegnet er mir immer wieder:
Die nächste Führungsrolle ist greifbar.
Fachlich ist sie machbar. Die Verantwortung reizt.
Und doch bleibt eine innere Zurückhaltung. Nicht aus Angst. Nicht aus mangelnder Ambition.
Sondern aus einer sehr bewussten Frage:
„Traue ich mir diesen nächsten Karriereschritt wirklich zu – und werde ich dabei unterstützt?“
Diese Frage ist Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein.
Und sie verweist auf etwas, das in vielen Organisationen unterschätzt wird:
Karriereentwicklung von Frauen entsteht nicht nur durch Leistung – sondern durch Erfahrung und Resonanz.
Erfahrung ist der Schlüssel für weibliche Führungskräfte
Aktuelle internationale Forschung (1) zeigt:
Frauen bewerben sich zu Beginn ihrer Karriere seltener auf Führungspositionen als Männer. Doch mit wachsender Führungserfahrung verschwindet dieser Unterschied.
Der entscheidende Hebel ist dabei nicht Motivation, sondern Selbstvertrauen – und das entsteht nicht durch Ermutigung allein, sondern durch konkrete Führungserfahrung.
Aus mediationspsychologischer Sicht ist das hoch relevant:
Menschen treffen Entscheidungen nicht im luftleeren Raum. Sie orientieren sich an bisherigen Erfahrungen und an der Resonanz ihres Umfelds.
Wer erlebt:
- „Ich darf führen“
- „Ich werde ernst genommen“
- „Meine Entscheidungen haben Wirkung“
entwickelt die innere Sicherheit, die es für den nächsten Karriereschritt braucht.
Der innere Konflikt vieler weiblicher Führungskräfte
Gerade bei Frauen in Führung zeigt sich in Übergangsphasen häufig ein innerer Dialog, den ich auch in meiner Arbeit als Mediatorin regelmäßig höre:
„Ich kann das. Aber will ich diese Verantwortung übernehmen, wenn die Rahmenbedingungen unklar sind?“
Dieser innere Dialog entsteht, wenn Organisationen Ambitionen erwarten, aber keine klaren Erfahrungsräume für Führung schaffen.
Viele Frauen warten nicht, weil sie unsicher sind.
Sie warten, weil sie präzise einschätzen, wie Führung in ihrem Unternehmen gelebt wird– und sich fragen, ob sie darin Rückhalt und Unterstützung erfahren werden.
Female Leadership: Warum Empowerment allein nicht reicht
Es wird viel über Empowerment, Selbstwirksamkeit und Female Leadership gesprochen. Das ist wichtig – doch ohne strukturelle Umsetzung in den Organisationen bleibt es wirkungslos.
Damit mehr Frauen in Führung gehen, braucht es mehr als Motivation:
- klare Entwicklungspfade für Führungskräfte
- sichtbare Vergabe von Verantwortung
- echte Anerkennung von Erfahrung
Als Mediatorin sehe ich immer wieder wie Frustration entsteht, wenn Engagement nicht entsprechend beantwortet wird. Nicht durch Ablehnung – sondern durch fehlende Rückmeldung, verzögerte Entscheidungen oder unklare Perspektiven.
Das Ergebnis:
Frauen ziehen sich nicht zurück, weil sie nicht führen wollen, sondern weil ihre Ambition keine klare Resonanz findet.
Karriereentwicklung von Frauen: Was Unternehmen oft übersehen
Viele Organisationen fragen sich:
„Warum melden sich so wenige Frauen aktiv für Führung?“
Aus meiner Perspektive als Mediatorin ist die entscheidendere Frage:
„Welche Führungserfahrungen ermöglichen wir – und wie reagieren wir darauf?“
Karriereentscheidungen sind immer auch Beziehungsgeschehen.
Sie entstehen im Zusammenspiel von:
- individueller Motivation
- Unternehmenskultur
- Feedback und Sichtbarkeit
Wer erst reagiert, wenn Ambition laut formuliert wird, übersieht viele qualifizierte weibliche Führungskräfte.
Konkrete Handlungsoptionen für Frauen und Unternehmen
Für Frauen: Wie du den nächsten Schritt in Führung aktiv gestaltest
1. Verantwortung aktiv einfordern
Viele Frauen übernehmen bereits informell Führung.
Mache diese sichtbar – und frage gezielt nach mehr Verantwortung, z. B. in Projekten oder strategischen Themen.
2. Eigene Führungserfahrung klar benennen
Reflektiere bewusst: Wo habe ich bereits geführt – auch ohne Titel?
Diese Beispiele konkret zu kommunizieren, stärkt deine Position als Führungskraft.
3. Unterstützung gezielt aufbauen
Gerade in Übergangsphasen ist Rückhalt entscheidend.
Mentoring, Sparring oder auch ein strukturierter Austausch – z. B. im Rahmen von Coaching oder Mediation,
schaffen innere Klarheit und Sicherheit.
Für Unternehmen: Wie mehr Frauen in Führung kommen
1. Führung frühzeitig erlebbar machen
Gezielt Erfahrungsräume schaffen: Projektleitung, Stellvertretung oder temporäre Führungsrollen.
2. Klare Signale statt vager Perspektiven senden
Transparente Entwicklungspfade, konkrete Kriterien und verbindliches Feedback schaffen Vertrauen.
3. Potenzial erkennen, bevor es laut wird
Darauf achten, wer bereits Verantwortung übernimmt – nicht nur darauf, wer sich offensiv positioniert.
Fazit: Führung entsteht durch Zutrauen
Wenn du als Frau zögerst, ist das kein Zeichen mangelnder Führungsfähigkeit oder fehlender Ambition.
Es ist ein Hinweis darauf, dass du Führung ernst nimmst und bewußt gestalten willst.
Und genau hier setze ich in meiner Arbeit als Mediatorin an: dort, wo Klarheit fehlt, Erwartungen unausgesprochen bleiben und Führung zwischen Individuum und Organisation entsteht.
Und für Organisationen gilt:
Frauen in Führung zu bringen bedeutet nicht, auf mehr Initiative zu warten, sondern Verantwortung zu ermöglichen.
Führung entsteht durch:
- Zutrauen
- klare Signale
- konkrete Chancen
Nicht warten, bis Frauen bereit sind. Rahmen schaffen, in denen sie es werden!
Lit: (1):
(Wald, Kristina A. et al. 2024: Gender Differences in Climbing up the Ladder: Why Experience closes the Ambition Gender Gap.)
in: Die Mediation, Fachmagazin für Konfliktlösung - Entscheidungsfindung - Kommunikation Quart. II/2026
